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„Zukunft braucht Herkunft“: Hanns Strouhal 1953–2020

Hanns Strouhal 1953–2020

Die Nachricht ist wie ein Beben durch die Gilde-Gemeinschaft gezogen. Einer von uns, ein ganz Großer, hat uns verlassen. Kurz und heftig war sein letzter Weg – getrieben von einem Virus, das die ganz Welt bedroht.

 

Unser Hanns war Pfadfinder mit Leib und Seele. Er hat nicht nur als Pfadfinder gelebt, er ist dem Gedankengut Baden-Powells auch auf den Grund gegangen. Nicht alleine die Philosophie von Baden-Powell war ihm ein sehr wichtiges Anliegen, sondern auch die Lebensgeschichte. So durfte Hanns als junger Pfadfinder seine Ideen praktisch erleben. Später, als Woodbadge-Träger und Leiter in der Gruppe 12 hat er seine Erfahrungen und seine Kenntnisse der nachfolgenden Jugend zur Verfügung gestellt.

 

Mit dem Eintritt in die Gilde Kara Barteis 1999 hat er das Institut für Pfadfinder-Geschichte kennen gelernt. Das war der Beginn eines großartigen Engagements, in der Erforschung der Wurzeln der Pfadfinder-Idee und der Bewahrung von wichtigen Dokumenten und  Schaustücken. Aber das war ihm nicht genug. Er hatte einen Blick auf Größeres. Die Zusammenlegung von Institut, Pfadfinder-Museum und Verbandsbüro. Diese Vision hatten auch schon andere vor ihm, aber umgesetzt wurde es von Hanns. Hier hatte er sich voll eingebracht. Mit all seinen organisatorischen Fähigkeiten, Führungsqualitäten und Durchsetzungsvermögen. Der dadurch entstandene Dachverband stand unter seiner erfolgreichen Leitung. Eine seiner besonderen Fähigkeiten, die er in sein Projekt Pfadfinder-Museum und Institut für Pfadfinder-Geschichte eingebracht hatte, war die von ihm gepflegte Vernetzung. Dadurch war es ihm nicht nur möglich, persönlich seinen Horizont und sein Wissen zu erweitern, sondern auch seinen Dachverband zu fördern. Kontakte zu wichtigen Persönlichkeiten, Institutionen und Sponsoren waren für den Bestand und Betrieb des Pfadfinder-Museums immens wichtig.

 

Es wäre aber zu einfach, Hanns’ Aktivitäten auf seine Tätigkeit im Museum zu beschränken. Er hat seine Fähigkeiten und Kenntnisse laufend erweitert und der Pfadfinder-Gilde Österreichs zur Verfügung gestellt, indem er in der Ausbildung mitgewirkt hat. Er betreute nicht nur Fachgebiete aus dem Pfadfinderbereich, sondern auch technische Fächer, wo er seine beruflichen Erfahrungen einbringen konnte. Viele heutige Gilde-Woodbadge Träger haben davon profitiert.

 

Seine Vielseitigkeit hatte auch noch eine weitere, interessante Seite. Er war Musiker. Mit seinem Gitarrenspiel wirkte er nicht nur in diversen Country-Bands mit, sondern auch in der Gilde-Band – EPVU – der Gitarrengruppe der Pfadfinder-Gilde Strasshof. Immer wieder war er mit dabei, wenn sich die Möglichkeit ergab.

 

In einem weiteren, hochtraditionellen Projekt mit internationalem Charakter – dem Forum Großarl – hatte er mitgewirkt. Auch hier hatte er sich mit allen seinen Fähigkeiten und Kenntnissen eingebracht. Als Organisator, fachlicher Berater und wie wir ihn alle erleben durften – als Moderator.

 

Nach all diesen erfolgreichen, von großem Engagement für die Pfadfinder-Bewegung geprägten Aktivitäten, hatte er sich der wissenschaftlichen Seite der Pfadfinderbewegung und ihrem Gründer gewidmet. In Anerkennung seiner Verdienste erhielt er von der Pfadfinder-Gilde Österreichs das Goldene Verdienstzeichen und die Ehrenmitgliedschaft. Auch von den Pfadfindern und Pfadfinderinnen Österreichs wurden ihm in Anerkennung seines Engagements und seiner Leistungen für die Jugendbewegung, 2017 der Silberne Steinbock verliehen.

 

Nachdem er nach 13jähriger, erfolgreicher Leitung des Museums-Dachverbandes diese an Christan Fritz, bei dem er wusste, dass diese in guten Händen sein würde, übergeben hatte, stand einem intensiveren Engagement bei seiner wissenschaftlichen Arbeit nichts mehr im Wege. Er arbeitete bis zuletzt an seinem Buch über das Jamboree 51, das ihn immer sehr interessiert hatte. Glücklicherweise ist es ihm noch gelungen, sein Buch fertig zu stellen und zum Redigieren zu übergeben. Die Herausgabe und Präsentation war Hanns allerdings nicht mehr beschieden.

 

Ein ganz großer Pfadfinder ist uns den Pfad vorausgegangen. Er hat nicht nur seine Aufgabe erfüllt, sondern auf seinem Pfad großartige Spuren hinterlassen.
Er wird uns allen persönlich und durch seine Taten unvergesslich bleiben.

 

Hanns, Gut Pfad!

 

Dein Hans Dufek

 

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Martin Mucha (Red.)
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