Er war schon da und ist es noch immer: der Golfplatz Salzkammergut in Bad Ischl, auf dessen Gelände im Sommer des Jahres 1951 das 7. Welt-Jamboree abgehalten wurde. Es war nicht nur für die „Pfadfinder Österreichs“ ein bedeutendes Fest, eine internationale Auszeichnung, sondern die weltweite Anerkennung des konsequenten demokratischen Weges, den unsere Heimat seit dem Ende des 2. Weltkrieges und der Naziherrschaft gegangen ist. Es war die Zeit des „Kalten Krieges“: die Gefahr neuerlicher kriegerischer Auseinandersetzungen – diesmal zwischen der Sowjetunion (UdSSR) einschließlich der Staaten des sog. Ostblocks und dem freien, demokratische Westen – lag förmlich in der Luft.
Österreich wurde nach de Krieg in Besatzungszonen eingeteilt. So stand Niederösterreich unter russischer Kuratel, Oberösterreich hingegen wurde von den Amerikanern “betreut“. Letztere unterstützten Österreich beim Wiederaufbau (siehe „Marshall-Plan“) und bei der Stärkung unserer jungen Demokratie.
Diese besondere politische Situation, die bis zum Staatsvertrag 1955 in kraft blieb, war letztlich der Grunddafür, dass dieses Welt-Jamboree nur in einem der „westlich“ verwalteten Bundesländer stattfinden konnte. Die Entscheidung fiel auf Bad Ischl. Und das war gut so, lag es doch geografisch im Zentrum Österreichs, leicht auch international erreichbar. Zirka 13.000 offiziell teilnehmende Pfadfinder aus 61 Ländern, annähernd 700 Dienstrover der „Pfadfinder Österreichs“ und über 100 für die Leitung dieses Großlagers verantwortliche Pfadfinderführer sowie weitere 700 Pfadfinder und Freunde unserer Gemeinschaft aus den verschiedensten Ländern im Gästelager, nahmen daran teil. Trotz des weitgehend schlechten Wetters hatte das Jamboree neben der offiziellen Bezeichnung “Jamboree der Einfachheit“, den sehr aussagekräftige Beinamen „Schlammboree“ erhalten. Und das zu Recht. Damals hatten wir Regen im Überfluss, aber trotzdem war die ausgezeichnete Stimmung, das Gefühl der friedlichen, brüderlichen Zusammengehörigkeit, das mentale Gerüst des Jamborees. Man lebte förmlich den Refrain des Jamboreeliedes „… und über uns die Wache hält der Chief Bi-Pi“.
Und dieses Großereignis durfte ich als 10-jähriger Knirps sozusagen als „U-Boot“ miterleben! Mein holländischer Pflegebruder war damals Feldmeister in Noord-Brabant und ich verbrachte dort nach dem Krieg as österreichisches Pflegekind geraume Zeit. Oom Jan, so hieß er, hat mich einfach zum Jamboree mitgenommen, dafür bin ich ihm heute noch dankbar.
Besonders eindrucksvoll und wahrscheinlich prägend waren für mich die Morgenandachten und die Flaggenparaden mit Kurzansprachen. Diese Ereignisse legten auch in meinen jungen Jahren de Grundlage, mehr recht als schlecht, mein Leben entlang der Pfadfindergesetze zu organisieren.
Und jetzt war ich wieder am Ort des seinerzeitigen Geschehens. Als alter Mann, gemeinsam mit zwei anderen Pfadfinderbrüdern, die ebenfalls das damalige Glück mit mir teilen durften. So waren wir nun eingebunden in eine ganze Reihe von Schwestern und Brüdern aus Gilden der PGÖ und Gruppen der PPÖ, die seit 75 bzw. 50 Jahren gemeinsame Arbeit im Sinne unserer bewährten Grundsätze leisten.
Es war ein heißer Tag, sowohl wettermäßig als auch emotional. Erinnerungen stiegen auf, wurden in kurzen Vorträgen und Interviews geteilt, das Jamboree-Programm des 8. August 1951 wurde verlesen, eneso die Zahlen der riesigen Mengen an Lebensmitteln, die täglich um 4 Uhr früh angeliefert und von den Dienstrovern nach vorgegebenem Plan den einzelnen Unterlagern zugeteilt wurden. Es war ein hartes Stück Arbeit, das täglich in den Morgen- und Vormittagsstunden zu leisten war.
Nach dieser vormittäglichen Gedenkfeier waren wir Gäste bei der Pfadfindergruppe Bad Ischl, wo es neben Getränken auch Würstl gab und freundschaftliche Gespräche geführt wurden. Dafür ein großes und herzliches Danke!
Ein Gedanke kam mir bei der Heimfahrt: Sollte das 100-jährige Jamboree-Jubiläum begangen werden, wird man sich vielleicht auch der 14.000 heimgegangenen Pfadfinder und der heutigen Zeitzeugen mit einem Gebet erinnern.
Mag. Wilhelm Kerschbaum, Zentralgilde







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